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Drei Fragen - drei Antworten: Was sollte jemand, der schon 45 Jahre alt ist, aber keine Lebensfülle spürt, tun?


Erzpriester Andrej Lemeschonok, Beichtvater des Klosters der Hl. Elisabeth, beantwortet verschiedene Fragen der Gemeindemitglieder.


Was sollte jemand, der schon 45 Jahre alt ist, aber keine Lebensfülle spürt, tun?


Es gibt ein Sprichwort: „Besser spät als nie.“ Sie sind kein alter Mensch, 45 Jahre – ist die Zeit, in der die Schaffenskraft in voller Blüte ist. Ich denke, es wird Ihnen noch gelingen, sich zu verwirklichen, aber Sie müssen sich dazu bemühen und gedulden.

Jeder versteht unter Glücklichsein etwas anderes, für jeden hat das Wort seine eigene Bedeutung.  Für einen gläubigen Menschen bedeutet es, sich mit seinem Leben abzufinden, Frieden zu finden, Gott und dem Nächsten zu dienen. Für einen ungläubigen Menschen – die Erfüllung seiner Wünsche, Bedürfnisse, der Wohlstand und das Leben nach seinem Willen. Das sind vollkommen andere Ziele.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist es Ihnen noch nicht gelungen, sich in Ihrer Arbeit zu verwirklichen und daher kommen innere Unzufriedenheit, Verärgerung, Auflehnung; Sie wollen etwas Gutes in ihrem Leben machen, die Früchte Ihrer Arbeit sehen. Es ist nicht unbedingt nötig etwas Enormes zu machen, man kann auch etwas Kleines, aber mit Liebe, tun. Man muss nicht unbedingt versuchen, vieles zu verrichten, man kann auch ordentlich, mit Geduld und Fleiß, das erfüllen, womit man im Augenblick beschäftigt ist. Das Wichtigste ist es, gute Gedanken und ein reines Herz zu haben, das für Ihre Mitmenschen offen ist, und das darin Friede und Liebe herrschen. Dann werden Sie in der Lage sein, sehr vielen Menschen zu helfen. Ich kenne bescheidene, durch nichts bemerkenswerte Menschen, in denen es aber so viel Liebe, soviel Leben herrschen. Sie wurden nicht zu Berühmtheiten, Ihr Leben ist kein buntes Kaleidoskop irgendwelcher Siege und Werke, sie arbeiten bescheiden und ohne Hast. Aber Sie sind dankbar dafür, was Sie haben, Sie schätzen es, und Gott lebt in Ihnen. Das ist wirklich schön.

Sie suchen nach Lebensfülle. Vielleicht sollten Sie anfangen, über Ihre Verbindung mit Gott nachzudenken, über geistliche Entwicklung, über Vertrauen zu Gott. Früher oder später trennen sich auf dieser Erde die liebsten, teuersten Menschen, die grandiosesten Projekte veralten, es zerfällt alles, was wir erschaffen. Sollte man nicht deshalb vielleicht nach Glück in seinem Inneren, in seiner unsterblichen Seele suchen? Für jeden gläubigen Menschen ist der wichtigste Augenblick im Leben das Treffen mit Christus. Hatten Sie solch ein Treffen? Oder steht es Ihnen noch bevor? Noch urteilen Sie über die äußerlichen Aspekte Ihres Lebens. Versuchen Sie tiefer zu schauen.

Was tun, wenn das Fasten schwerfällt?

Für Menschen, die an verschiedenen physischen Erkrankungen leiden, ist eine Lockerung in der Fastenzeit möglich. Hier muss die Vorgehensweise  individuell geregelt werden. Man kann, zum Beispiel, Lachs essen. Das wird als kein Fastenbruch angesehen, sondern als eine Lockerung des Fastens.

Wenn Sie sich um Ihre Gesundheit Sorgen machen und das Bedürfnis empfinden, mehr zu sich zu nehmen, gehen Sie in die Kirche und nehmen Sie dazu den Segen des Priesters, um sich nicht zu verwirren. In der Kirche gilt nicht das Prinzip des Zerstörens, sondern des Schaffens, auch einschließlich dessen, was die körperliche Gesundheit betrifft. Im bestimmten Maße sollte die Fastenzeit selbstverständlich eingehalten werden – als die Enthaltsamkeit von dem, was Sie mögen, von irgendwelchen Abhängigkeiten, aber all das wird geregelt im Zusammenhang mit unserem Glauben, unserem Gebet und unserer Einstellung zur Fastenzeit. Es muss eine nüchterne Bewertung der körperlichen Verfassung geschehen. Wenn Sie Ängste oder Zweifel haben, ist es besser, Nicht-Fasten-Nahrung einzunehmen, als in Versuchung zu kommen. Es wäre gut für Sie, einen priesterlichen Rat einzuholen.

Das Fasten hilft uns, mit Sünden zu kämpfen und sollte nicht dazu dienen, unseren Körper zu zerstören. Man kann immer ein für Sie passendes Maß des Fastens finden.

Jahre vergehen, aber es gelingt mir nicht, eine Familie zu gründen. Was soll ich tun?

Diese Frage wird oft gestellt. Wir wollen etwas, streben etwas an, aber es realisiert sich nicht in unserem Leben … Aber, wenn der Mensch darauf eingestellt ist, zu bitten, bis zum Ende zu bitten, wirklich zu beten, etwas zu erbeten, gibt Gott das Ersuchte. Davon haben wir uns schon oft überzeugt. Was sollte man tun? Der Mensch denkt, Gott lenkt. Vielleicht ist an Ihrer Kirche eine Schwesternschaft tätig. Vielleicht kann eine gegründet werden. Es gibt Kinderheime, Internate, wo Kinder ohne Eltern leben. Es wäre gut, wenn gläubige Menschen diese Kinder besuchen und ihnen helfen würden.

Wenn Sie freie Zeit haben und Kinder lieben, können Sie sich ein Kind zur Erziehung nehmen. Bei uns in Weißrussland kommt es vor, dass alleinstehende Frauen Kinder aus Waisenhäusern adoptieren. Eine Bekannte hat zwei eigene Kinder und hat noch eins zu sich genommen. Diese Frage kann gelöst werden.

Wenn Sie noch hoffen, einen Gatten zu finden, dürfen Sie die Hoffnung nicht aufgeben und beten. Wir haben eine Schwester, die älter als 40 Jahre war, als sie sich einen Ehemann fand, und sie leben wunderbar zusammen und ergänzen einander.

Oft, wenn wir das, worum wir beten nicht bekommen, fangen wir an, mit Gott zu rechten, sich beleidigt zu fühlen, uns abzuschotten, zu erbittern. Das ist falsch. Gott gibt uns das, was wir brauchen. Oft schätzen wir es nicht, streben uns dagegen, versuchen unser Leben so aufzubauen, wie wir es für richtig halten, was immer, zu nicht so guten Ergebnissen führt. Finden Sie deshalb Ihre Unterstützung in Gott, finden Sie die Quelle Ihrer Kraft in den Sakramenten der Beichte und der Kommunion, kämpfen sie gegen Mutlosigkeit und Kleingläubigkeit. Früher oder später werden wir alles Irdische und Zeitliche zurücklassen müssen. Deshalb fangen wir mit dem Älterwerden meistens an, immer mehr über unsere unsterbliche Seele nachzudenken, das Beten zu erlernen und mit Gott zu leben. Und dies nimmt auch viel Kraft und Zeit in Anspruch. Ich möchte Ihnen wünschen, dass Ihre Seele vom Frieden berührt wird und Sie keinen Zweifel an der Liebe Gottes zu Ihnen haben.

Quelle: http://obitel-minsk.ru/chitat/den-za-dnyom/2017/tri-voprosa-tri-otveta-21-12-2017

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