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Hl. Theophan der Klausner darüber, warum Liebe ohne Demut nicht existieren kann


„Greife zum Schwert der Demut und Sanftmütigkeit, halte es immer in Deiner Hand und hacke mitleidslos den Kopf unseres Hauptfeindes ab.“ Dieser außerordentliche Mann Gottes, hl. Theophan der Klausner (+1891), hat an uns viele wundervolle Schriften weitergegeben. Hier folgen nur ein paar wenige über Liebe und Demut. Jeder Abschnitt ist des Innehaltens und des gründlicheren Nachdenkens wert.

Dort, wo Demut und Liebe abwesend sind, ist alles Geistige abwesend

Sie sagen, dass Sie keine Demut oder Liebe haben. Solange diese abwesend sind, ist alles Geistige abwesend. Was geistig ist, wird geboren, wenn diese Tugenden geboren werden, und wächst, wenn sie wachsen. Sie sind für die Seele dasselbe, was die Beherrschung des Fleisches für den Körper ist. Demut wird sich durchs Verrichten von Taten der Demut angeeignet, Liebe durch Taten der Liebe.

Das Maß der Demut

Halten Sie Ihre Augen offen. Das ist das Maß der Demut: Wenn ein Mensch demütig ist, denkt er nie, dass er schlechter behandelt wurde, als er es verdient. Er hat so eine niedrige Meinung von sich, dass niemand, ganz egal wie stark sie es auch versuchen würden, von ihm geringer denken könnte, als er es von sich tut. Das ist das ganze Geheimnis dieser Sache.

Mängel des Charakters

Manchmal lässt in uns der Herr einige Charaktermängel, damit wir die Tugend der Demut lernen. Denn ohne diese Mängel würden wir umgehend, unserer eignen Einschätzung nach, über den Wolken schweben und unseren Thron dort aufstellen. Und darin ist die Verdammnis.

Der Weg zur Demut ist Gehorsam

Es besteht kein Bedarf für mich darin, Ihnen zu wiederholen, dass die unbesiegbare Waffe gegen alle unsere Feinde die Demut ist. Man eignet sie sich nicht leicht an. Wir können uns für demütig halten, ohne auch eine Spur von wahrer Demut in uns zu haben. Wir können nicht demütig werden, allein indem wir daran denken. Der beste, beziehungsweise der einzige sichere Weg zur Demut, ist der, des Gehorsams und des Aufgebens seines eigenen Willens. Ohne dies zu tun, ist es möglich in uns einen satanischen Hochmut zu entwickeln, dabei aber in unseren Worten und körperlicher Haltung demütig zu sein. Ich bitte Sie daher, auf diesen Punkt zu achten und furchterfüllt den Lauf Ihres Lebens zu untersuchen. Sind in ihm der Gehorsam und das Aufgeben des eigenen Willens beinhaltet? Aus all den Sachen, die Sie tun, wie viele werden entgegen Ihrem eigenen Willen, Ihren Ideen oder Überlegungen getan? Tun Sie irgendetwas ungern, einfach weil es ihnen befohlen wurde, aus reinem Gehorsam? Bitte betrachten Sie alles sorgfältig und teilen Sie es mir mit. Wenn es nichts in Ihrem Leben gibt, was solcher Art von Gehorsam entspricht, wird das Leben, das Sie führen, Sie nicht zur Demut führen. Ganz egal, wie Sie sich in Ihren Gedanken demütigen werden, ohne Taten, die zur Selbsterniedrigung führen, wird die Demut nicht aufkommen. Sie müssen also sorgfältig überlegen, wie Sie dies arrangieren.

Hochmut und Tadelsüchtigkeit

Sich demütigen heißt noch nicht demütig zu sein, sondern ist nur der Wunsch und die Suche nach Demut. Möge der Herr Ihnen helfen, diese Tugend zu erlangen. Es gibt einen Geist der Illusion, der auf eine unbekannte Weise, die Seele durch Arglist täuscht. Er verwirrt unsere Gedanken auf solch eine Art, dass die Seele sich für demütig hält, wobei innerlich sie eine arrogante und eingebildete Meinung über ihren Wert verbirgt. So müssen wir damit fortfahren, sorgfältig in unser Herz zu schauen. Außenverhältnisse (externe Beziehungen), die uns zur Demut führen, sind hier das beste Mittel.

Sie sind etwas nachlässig gewesen. Die Furcht Gottes hat Sie verlassen und bald danach verließ Sie auch die Aufmerksamkeit, und Sie verfielen in die Gewohnheit, Menschen zu verurteilen. Sie sagen, dass Sie innerlich gesündigt haben und das stimmt. Bereuen Sie es und bitten Sie um Gottes Verzeihung. So ein Vergehen hegt seine eigene Vergeltung: das Vergehen ist innerlich, so ist auch die Bestraffung. Wir können andere nicht nur durch Worte, sondern auch durch innere Herzensbewegungen verurteilen. Wenn die Seele, beim Nachdenken über jemanden, diese Person nachteilig kritisiert, dann hat sie diese schon verurteilt.


Beleidigt sein und das Hinhalten der anderen Wange

Sie sagen, dass Sie beleidigt sind. Wegen eines Mangels an Aufmerksamkeit beleidigt zu sein, heißt sich der Aufmerksamkeit würdig zu erachten und folglich sich selbst im Herzen einen hohen Wert beizumessen; mit anderen Worten, ein Herz zu haben, das vor Stolz geschwellt ist. Ist so etwas gut? Ist es nicht unsere Pflicht, falsche Anschuldigungen (Verleumdungen) zu ertragen? Selbstverständlich ist es das. Wie sollten wir dann mit der Erfüllung dieser Pflicht beginnen? Schließlich, wenn es uns doch befohlen wird zu ertragen, müssen wir jegliche Unannehmlichkeit ohne Ausnahme ertragen und das mit Dankbarkeit, ohne unseren inneren Frieden zu verlieren. Der Herr sagte uns, wenn wir auf die rechte Wange geschlagen werden, dann auch die andere hinzuhalten, aber wir sind so feinfühlig, dass wenn uns eine Fliege im Vorbeifliegen auch bloß mit einem Flügel an der Wange streicht, wir schon kampfbereit dastehen. Sagen Sie mir, sind Sie beriet, dieses Gebot des Herrn über das Hinhalten der anderen Wange einzuhalten? Wahrscheinlich werden Sie Ja sagen, Sie seien bereit. Jedoch ist der Vorfall, den Sie in Ihrem Brief schildern, genau die Gelegenheit, auf die dieses Gebot zutrifft. Das Schlagen auf die Wange sollte man nicht buchstäblich deuten. Wir sollten darunter jegliche Handlung unseres Nächsten verstehen, bei der uns scheint, dass wir nicht die gebührende Aufmerksamkeit und Respekt erhalten haben – jegliche Handlung, durch die wir uns erniedrigt fühlen und unsere Ehre, wie es die Leute nennen, verletzt. Jede Tat dieser Art, so trivial sie auch erscheinen mag – ein Blick, ein Gesichtsausdruck – ist ein Schlag auf die Wange. Wir sollten ihn nicht nur aushalten, sondern auch zu einer größeren Erniedrigung bereit sein, was dem Hinhalten der anderen Wange entspricht. Was in ihrem Fall geschehen ist, war ein sehr leichter Schlag auf die eine Wange. Und was haben Sie getan? Hielten Sie die andere hin? Nein, weit vom Hinhalten entfernt, übten Sie Vergeltung. Denn Sie haben es schon vergolten; Sie haben die andere Person fühlen lassen, dass es sich bei Ihnen um jemanden handelt, als ob Sie gesagt hätten: „Lassen Sie die Hände von mir!“ Aber was sind wir wert, Sie und ich, wenn wir das tun? Wie können wir als Jünger Christi betrachtet werden, wenn wir Seinen Geboten nicht folgen? Was Sie machen mussten, war zu erwägen: Verdiene ich Aufmerksamkeit? Wenn Sie dieses Gefühl der Unwürdigkeit in Ihrem Herzen gehabt hätten, würde Sie sich nicht beleidigt gefühlt haben.

Greifen Sie zum Schwert der Demut

Unruhe des Geistes und Leidenschaften verderben das Blut und schaden im Endeffekt unserer Gesundheit. Das Fasten und die Enthaltsamkeit im Allgemeinen in unserem alltäglichen Leben, sind das beste Mittel um unsere Gesundheit stark und kraftvoll zu erhalten.

Das Gebet führt die Seele in den Bereich Gottes, wo der Fels des Lebens verweilt; auch der Körper, vom Geiste geführt, nimmt an diesem Leben teil. Ein ruhevoller Geist, das Gefühl der Reue und Tränen – sie verringern nicht unsere Kraft, sondern vergrößern sie, denn sie bringen der Seele einen Zustand der Geborgenheit.

Sie wünschen sich, dass das Reuegefühl und die Tränen Sie niemals verlassen würden, aber besser hätten Sie sich gewünscht, dass ein Gefühl von tiefer Demut in Ihnen immer verweile. Es bringt Tränen und das Gefühl der Reue und es verhindert auch, dass wir vor Stolz aufgeblasen darüber sind, weil wir beides haben. Denn dem Feind gelingt es, auch durch solche Sachen, Gift einzubringen.

Es gibt auch geistige Heuchelei (Verlogenheit), die von Reue begleitet werden kann. Wahre Reue beeinträchtigt nicht reine geistige Freude, kann aber damit in Übereinkunft bestehen, davon verdeckt.

Und was mit dem Selbstwertgefühl ist? Greife zum Schwert der Demut und Sanftmütigkeit, halte es immer in Deiner Hand und hacke mitleidslos den Kopf unseres Hauptfeindes ab.

Priester Stephen Powley


Quelle: https://upwordglance.com/2016/09/28/humility-and-love-by-st-theophan/

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