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Wie kann man erklären, dass es sich bei der Verehrung des Kreuzes um keinen Götzendienst handelt?


Frage: Was würden Sie einem Protestanten antworten, der die Verehrung des Kreuzes (das Verneigen davor und das Küssen davon) als einen Götzendienst auffasst?

Antwort: Zuerst sollten wir die Frage stellen, ob es sich beim Verneigen vor oder Küssen von etwas um die Form von Verehrung und Anbetung handelt, die allein Gott vorbehalten ist. Wenn wir die Heilige Schrift und jüdische Tradition betrachten, ist die Antwort deutlich Nein.

Abraham verneigte sich vor den Hetitern (1. Mose 23,7.12); die Brüder von Josef verneigten sich vor ihm (1. Mose 42,6; 43,26.28); und es können noch viele andere Beispiele angeführt werden, die zeigen, dass es sich bei der Verneigung, um ein Zeichen der Achtung handelte und die Verneigung vor Götzen nur deshalb verwerflich ist, weil es sich beim betreffenden Objekt tatsächlich, um ein Götzenbild handelt, dem Bildnis eines falschen Gottes. Im zweiten Gebot wird gesagt, dass wir keine Kultbilder machen, sich vor ihnen niederwerfen oder ihnen dienen sollten (vgl. Ex 20,4-5). Die Heilige Schrift erwähnt auch mehrmals Menschen, die diejenigen, die von ihnen geliebt werden, küssen. In der jüdischen Tradition ist das Küssen von heiligen Gegenständen eine herkömmliche Handlung, die fromme Juden jeden Tag einige Male ausführen. In seinem Buch „To Pray as a Jew” schreibt Rabbiner Hayim Halevy Donin Folgendes:

„Das Küssen ist ein universelles Zeichen der Zuneigung. Es ist ein Akt der Liebe, ein Ausdruck von Zärtlichkeit, nicht nur zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, sondern auch ein Ausdruck der Gefühle, die jemand gegenüber den rituellen Gegenständen und mit ihnen verbundenen religiösen Pflichten empfindet.

Es gibt keine Religionsgesetze, die uns dazu verpflichten, einen rituellen oder heiligen Gegenstand zu küssen. Es gibt nur die Kraft der Gewohnheit, wie sie sich Epochen hindurch entwickelt. Zu verschiedenem Ausmaß wurde das Küssen zu etwas Optionalem, was unter den Juden als Ausdruck religiöser Andacht in folgenden Momenten üblich ist:

- Der Tallit (Gebetsmantel) wird unmittelbar vor dem Anziehen geküsst.

- Die Tefillin (Phylakterium oder die Gebetsriemen) werden beim Herausholen aus und Zurücklegen in die Tasche geküsst.

- Die Mesusa auf dem Türpfosten wird beim Betreten oder Verlassen des Hauses manchmal geküsst. Das wird durch das Berühren der Mesusa mit der Hand und das anschließende Küssen der Finger, die mit der Mesusa in Kontakt gekommen sind, bewerkstelligt.

– Die Thora wird, wenn sie in der Synagoge getragen wird, geküsst. Auch hier wird es oft durchs Berühren des Umschlags der Thora mit der ausgestreckten Hand und das anschließende Küssen dieser Hand fertiggebracht. Manche berühren die Thora mit dem Rand des Tallit und küssen danach den Tallit.


- Die Thora wird auch, bevor jemand anfängt über ihr Segnungen aufzuzählen, geküsst. Hierzu wird entweder der Rand des Tallit oder das Stoffband (die Mappa), das zum Zusammenbinden der Thorarolle benutzt wird, verwendet, indem man die Außenseite der Schriftrolle damit berührt und anschließend den Tallit oder das Stoffband küsst. Viele Menschen platzieren den Tallit oder das Stoffband an den eigentlichen Worten, an denen das Lesen beginnen soll. Die jüdischen Gelehrten rieten aber davon ab, da es die Abnutzung und das Löschen der Buchstaben beschleunigte. Sie haben die Empfehlung gemacht, allenfalls nur den Randbereich neben der Linie zu berühren, an der, die zu lesende Stelle beginnt. Auf jeden Fall sollte man das Thora-Pergament mit seinen bloßen Händen nicht berühren. Die Tradition des Verbotes kommt von einem besonderen Edikt, der von den Gelehrten erlassen wurde, um solch einen Kontakt zu verbieten (Sabbat 14a: OH 147:1).

- Der Vorhang vor dem Thoraschrein (die Parochet) wird, bevor man ihn öffnet, oder beim Schließen, wenn die Thora zurückgelegt wird, geküsst.

- Ein Siddur (Gebetbuch) und der Chumasch (die Thora in gedruckter Buchform, nicht als Schriftrolle) werden vor dem Weglegen geküsst. Diese heiligen Bücher werden auch geküsst, wenn sie zufällig auf den Boden fallen.“ (Übersetzt aus „To Pray As a Jew: A Guide to the Prayer Book and the Synagogue Service”, New York: Basic Books [Harper Collins], 1980, p.43f)

Wenn wir betrachten, wie sich die Israeliten gegenüber der Bundeslade verhielten, wird es deutlich, dass Akte der Ehrerbietung gegenüber heiligen Gegenständen, wie wir sie dem Kreuz bezeigen, sich keinesfalls im Gegensatz damit befinden, wie von ihnen die Gesetze des Alten Testaments verstanden wurden.

Die Bundeslade wird als der Fußschemel von Gott bezeichnet:

„Dabei erhob sich König David und sagte: Hört mich an, meine Brüder und mein Volk! Ich selbst hatte vor, für die Bundeslade des HERRN, den Fußschemel unseres Gottes, eine Ruhestätte zu errichten, und traf Vorbereitungen für den Bau.“ (1. Chr 28,2)

„Lasst uns hingehen zu Seiner Wohnung, uns niederwerfen am Schemel Seiner Füße! Steh auf, HERR, zum Ort Deiner Ruhe, Du und Deine machtvolle Lade!“ (Ps 131[132],7-8)

Die Psalmen gebieten uns ausdrücklich, die Bundeslade zu verehren (sich buchstäblich vor ihr niederzuwerfen):

„Erhebt den HERRN, unsern Gott, werft euch nieder am Schemel Seiner Füße! Er ist heilig!“ (Ps 98[99],5)

Und wir sehen, dass sich die Israeliten tatsächlich vor der Bundeslade verbeugten:

„Josua zerriss seine Kleider und warf sich zusammen mit den Ältesten Israels vor der Lade des HERRN mit dem Gesicht zu Boden bis zum Abend. Sie streuten sich Staub auf das Haupt.“ (Jos 7,6)

Die kirchliche Tradition stellt eine direkte Verbindung zwischen dem Kreuz und der Bundeslade her, da die Lade, der Ort der Sühne ist, und während die Lade als der „Schemel Seiner Füße“ bezeichnet wird, ist das Kreuz der Ort, wo die Füße Christi standen, als Er unsere Sünden sühnte.

Und so gibt es nichts in unserer Praxis, dass in irgendeiner Weise der Heiligen Schrift widerspricht.

Priester John Whiteford


Quelle: http://fatherjohn.blogspot.com/2014/03/stump-priest-veneration-of-cross.html

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